Ein Artikel der Financial Times Deutschland (FTD) krachte am 22. Januar mitten in die gestylte Idylle der aufstrebenden Öko-Fashion-Szene. „Betrug mit angeblicher Biobaumwolle“ titelte die Zeitung und verwies auf einen Fall, der bereits im April 2009 in Indien aufgekommen sein soll. Den Fall aufgedeckt habe die indische Agrarbehörde Apeda. Ihren Angaben zufolge hätten sich duzende Dörfer mit westlichen Zertifizierungsfirmen zusammengeschlossen und große Mengen gentechnisch veränderte Baumwolle in den Handel gebracht. Abnehmer sollen auch H&M, C&A und Tchibo gewesen sein. Die Zertifizierer Ecocert (Frankreich) und Control Union (Niederlande) seien auf Grund dessen von indischer Seite mit mehreren Zehntausend Euro Geldstrafe belangt worden. Lothar Kruse, Leiter des unabhängigen Labors Impetus-Bioscience in Bremerhaven und mit der Untersuchung von Textilproben betraut, wir im Artikel zitiert: "Etwa 30 Prozent der Biobaumwollproben sind gentechnisch verändert"
Unser erster Gedanke war: Sind wir betroffen? Eine Sekunde später dann: Nein, natürlich nicht. Bis zum heutigen Tag stammt die Bio-Baumwolle unserer T-Shirts aus der Türkei. Wir können also beruhigt feststellen: Die T-Shirts von RiotCreations sind sauber.
Doch wie war das nochmal? Dutzende Dörfer sollen sich mit den Zertifizierern Ecocert und Control Union zusammengetan haben, um eine riesen Betrungsaktion zu starten? Nur nebenbei sei gesagt, dass es sich hierbei um renommierte Einrichtungen handelt. Und überhaupt wie bitte? 30% der Biobaumwollproben enthalten gentechnisch veränderte Baumwolle? Das ist kein Pappenstil und gibt doch zu denken… Nach eigenen Recherchen kommen wir, Gott sei dank, zu dem Schluss, dass mal wieder nicht alles so heiß gegessen wird wie es in erhitzten Köpfen kocht.
In einem Artikel von BIO-Markt.info heißt es z.B., dass es für die von der FTD dargestellten Betrugsgeschichte gar keine Beweise gäbe und selbst der Direktor der indischen Agrarbehörde Apeda die Vorfälle dementiert habe. Die Zertifizierer Ecocert und Control Union weißen die Anschuldigungen zurück. Dazu hier eine ausführliche Stellungnahme der Control Union. Klar ist eine solche Stellungnahme parteiisch, doch liest man sich diese Stellungnahme durch, so drängt sich der Verdacht auf, dass die FTD-Redakteure bei ihrer Recherche etwas voreilig waren…
Dieser Eindruck wird durch Lothar Kruse, dem Leiter des Labors Impetus bestärkt. Er fühle sich laut BIO-Mart.info im Artikel der FTD missverständlich zitiert. Die geschätzten 30% mit gentechnisch veränderter Baumwolle verunreinigten Proben stammen allesamt aus Verdachtsfällen. Das erklärt den hohen Anteil an verunreinigten Proben. Bei diesem knappen Drittel seien 70-80% mit weniger als 2% belastet. D.h., dass man in diesen Fällen von einer Verunreinigung durch Produktion und Transport ausgehen kann und nicht von mutwilligem Betrug.
Was als große Headline angefangen hat, ist ganz schön zusammengeschrumpft und erinnert nun eher an einen Satz im Kleingedruckten auf Nahrungsmittelverpackungen: „Kann Spuren von Nüssen enthalten.“
Die Wahrheit liegt wohl wie immer irgendwo in der Mitte. H&M, C&A und Tchibo sind, egal wie, allesamt keine grünen Vorreiter und Musterschüler der Nachhaltigkeit. Uns ist klar, dass sie ihre Absatzrakete grün streichen und „Bio“ lediglich als Treibstoff für ebendiese verwenden. Ebenfalls klar ist, dass ganz gewiss nicht überall Bio drin ist, wo Bio draufsteht und die Gefahr der Verunreinigung durch genetisch veränderte Baumwolle ist nicht von der Hand zu weisen. Der Saatgut-Multi Monsanto ist auch in diesem Spiel wieder ganz vorne dabei und soll sogar gentechnisch verändertes Baumwoll-Saatgut an Bauern, auch an Bio-Bauern, verschenken. Da ist geschenkt noch zu teuer, wie wir finden. Es gilt wie immer, die Augen aufzuhalten. Wir tun das für euch und hoffen, auch mit eurer Hilfe, so sauber wie nur möglich zu sein und auch zu bleiben.
Und allen, die bis hierher gelesen haben, sagen wir ein richtig dickes DANKESCHÖN für eure Aufmerksamkeit.
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